TAG 6

Trauneralm – Glocknerhaus

Zusammenfassung des Tages: Unglaublich viel Schnee.

Das Wetter begrüßt uns am nächsten Morgen leider wie erwartet. Nebel und ausdauernder Nieselregen. Wegen der schlechten Wetterverhältnisse steigt eine der Wandergruppen, die mit uns zusammen auf der Hütte waren, komplett auf den Bus um. Die andere Wandergruppe beschließt zu laufen – genauso wie wir, zwei Brüder und zwei Tschechinnen. Da uns auf jeden Fall ein großes Schneefeld bevor steht lassen wir der Wandergruppe etwas Vorsprung, damit sie schon mal einen Weg für uns durch den Schnee bahnen können.

Nach einem reichhaltigen Frühstück brechen wir gemütlich gegen 8:30 Uhr auf. Gerade als wir den ersten Schritt vor die Tür machen wollen, wird der Regen stärker und wir ziehen uns nochmal ins Trockene zurück, um unsere Regenhosen überzuziehen.

Ein Vorteil hat das Wetter: es gibt tolle, mystische Nebelfotos. Im Nebel und immer wiederkehrenden Regen arbeiten wir uns den Berg hinauf. Während meiner Fotopausen werden wir von den beiden Brüdern und den beiden Tschechinnen überholt. Wir Sechs halten uns aber alle hinter der Wandergruppe – wohl alle in der Hoffnung, dass sie das Schneefeld vor uns überqueren.

Trotz vielen Fotopausen, kommt die Gruppen immer näher und letztendlich überholen wir sie weil und durch die ganzen Pausen ziemlich kalt wird.

Zusammen mit den Brüdern und den beiden Tschechinnen erreichen wir das große Schneefeld.

Zuerst müssen wir den unter dem Schnee liegenden Bach überqueren und dann das sehr steile und lange Schneefeld erklimmen. Am Ende der Scharte, gekennzeichnet mit einem kleinen Gipfelkreuz, geht es auf der anderen Seite hinunter zum Glocknerhaus. Da die andere Seite der Südhang ist hoffen wir auf schneefreie Wege. Aber erstmal liegt dieser nicht ganz ungefährliche Stück vor uns. Immerhin stürzen wir nicht komplett an, wenn wir abrutschen, sondern rutschen nur hinab in diese Kuhle.
Die anderen Vier sind top ausgerüstet mit ihrem Grödeln. Das ist die abgespeckte Variante von Steigeisen. Glücklicherweise schließen wir uns zu einer kleinen Wandergruppe zusammen und wir können das Schlusslicht bilden. So nutzen wir die von den Vieren in den Schnee geschlagen Stufen. Teilweise müssen wir mit den Wanderschuhen die Stufen noch etwas breitere ausschlagen, aber so im Großen und Ganzen geht es erstaunlich gut. Obwohl der Schnee relativ griffig ist, arbeiten wir uns langsam und vorsichtig den steilen Hang hinauf.

Am Gipfelkreuz angekommen, weht bei knappen 3°C ein eisiger Wind. Und so ist neben ein, zwei schnellen Keksen und dickere Klamotten anziehen nicht viel Pause drin. Bei einem Blick auf die andere Seite müssen wir uns von unserer Hoffnung auf schneefreier Wege verabschieden. Uns erwartet mindestens genauso viel Schnee wie auf der Weg hoch.

Schneekanten mit bis zu einem Meter Höhe, fast komplett eingeschneite Wegmarkierungen und mittelmäßige Sicht durch den Nebel, machen auch den Abstieg nicht einfach. So weicht unsere Route wohl des Öfteren vom vorgeschriebenen Weg ab. Aber schlittern und rätseln bahnen wir uns irgendwie unseren Weg. Die Geröllfelder die wir ab und zu überqueren müssen, ähneln eher Treibsand als Schotterhaufen. Schiefer, Matsche und Wasser ist einfach nicht sehr stabil.

Und endlich ist es geschafft: der Schnee weicht grünen Wiesen und das Glocknerhaus kommt in Sicht.

Im Glocknerhaus angekommen, breiten wir unsere Sachen im Trockenraum aus, beziehen unsere Lagerplätze und pflanzen uns schnell vor das warme Kaminfeuer. Schnell bildet sich an unseren Tisch eine super netten Runden aus den beiden Brüdern und später noch zwei Fotografen, die ich vor der Hütte aufgabel, als den Moment nutze an den sich der Großglockner kurz aus der Nebelwand zeigt. Für den höchsten Berg Österreichs lohnt sich der Sprint nach draußen in die Nässe.

Wenig später gesellt sich der Wanderführer der Gruppe, die uns gefolgt ist zu uns, um unsere Route durch die Schneefelder zu loben. Nach einer sehr großen Portion Spinatkässpätzle mit sehr sehr viel Käse (die Spätzle schwamen im Käse) ziehen wir uns in unser Nachlager zurück. Obwohl es ein großer Matratzenlager ist hat man durch die eingezogenen Holzwände einigermaßen seine Privatsphäre.

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