Jungle-Trekking: Wir hätten auch nie gedacht, dass unsere Tagesplanung quasi von einer Blume entschieden wird. Die Rafflesia-Blume ist nicht mal sonderlich hübsch. Eigentlich ist sie vor allem fett und stinkt während der Blütezeit nach Aas. Da sie also weder mit Schönheit noch Geruch punkten kann, macht sie sich einfach rar. Zum einen kommt sie nur in bestimmten Regionen und dort auch nur am optimalen Standort vor. Zum anderen blüht sie nur wenige Tage, wenn sie dann mal blüht. Die Insel Tioman beherbergt ein paar Rafflesien Exemplare und wir haben das große Glück in der Blütezeit von zwei Exemplaren hier zu sein. Natürlich wollen wir uns das nicht entgehen lassen, denn die Blüten können bis zu einer eindrucksvollen Größe von 1m anwachsen. Deswegen buchen wir nach unserem Frühstück direkt eine 4-6stündige Tour. Während die Resort-Leiterin am Telefon einen Guide und unseren Transport organisiert, wird sie heftigst von einer Katze beschmust. Die Katzen hier scheinen alle ein extremes Kuscheldefizit zu haben, denn auch wir werden immer regelrecht belagert.
Im Beiwagen eines Mofas holpern wir die engen Straßen an der Küste bis zu nächst“größeren“ Stadt entlang. Dort werden wir von einem extremst wortkargen Guide empfangen. Logisch, dass wir dann noch lieber hinten auf der Ladefläche des Pickups und nicht im Inneren des Autos Platz nehmen.

Unser erster Stopp sind die Flughunde-Bäume. Überall hängt alles voll mit ihnen. Tagsüber hängen die Mini-Draculas kopfüber von ihren Ästen und fächert sich immer wieder kühlende Luft mit ihren Flügeln zu. Gelegentlich gibt es einen kleinen Streit, um den besten Platz, aber sonst ist alles sehr friedlich und die Flughunde piepsen leise vor sich hin. Obwohl wir sehr fasziniert sind bewahren wir einen gesunden Sicherheitsabstand, denn der Kot der Tiere ist Überträger für einige fiese Krankheiten.



Weiter geht es hinten im Pickup auf die anderen Seite der Insel. Schmale sehr steile Straßen (bis zu 45% Steigung) schlängeln sich hier durch den Dschungel. Während der Fahrt genießen wir den Fahrtwind und die etwas kühleren Temperaturen im Dschungel. Nachdem eine Whats-App Nachricht von unserem Hostel bei uns eintrifft, dass wir den Guide auf der anderen Seite der Insel treffen, können wir die Fahrt richtig genießen. Wir sind einfach richtig froh, dass unser wortkarger Fahrer wirklich nur unser Fahrer ist.
Die andere Seite der Insel empfängt uns mit einem wunderschönen Strand in einer Bucht mit tollen Wellen. Da ist es keine Frage wie wir die 2h bis unseren Guide kommt verbringen: schnell umziehen und ab ins Meer.

Nach einer ausgiebigen Runde in den Wellen toben, gehen ich und der Strand etwas auf Tuchfühlung. Teilweise lege ich mich sogar hin, um …

diese wunderbaren Rennkrabben zu erwischen. Absolut getarnt und schnell wie ein Sandkorn im Wind huschen sie über den Strand. Mit etwas Geduld bekomme ich dann aber ein paar direkt vor die Linse.



Da ich beim Fotografieren die Zeit etwas aus den Augen verloren habe, muss ich mich ganz schön beeilen, um wieder einigermaßen sandfrei in Hose und Schuhe zu kommen, bevor der Guide da ist. Glückerlicherweise hat der Guide die Ruhe weg und liegt ganz entspannt bei offenen Türen in seinem Auto als wir ihn erreichen. Genauso entspannt startet die Tour, dann auch, denn nach etwa 10min Fahrt halten wir vor einer Moschee, wo der Guide in seiner Seelenruhe uns, nach sehr viel rein, raus und hin,her, im Schatten parkt. Er selbst nimmt sich dann erstmal die Zeit für sein Gebet.
Nächster Stopp: Dschungel. Jetzt geht es endlich los – ab in den Dschungel. Vor dem Betreten den Dschungelpfads dürfen wir direkt die erste einheimische Pflanze kennenlernen. Die sehr wolligen Blätter können mit etwas Wasser zwischen den Händen zerrieben werden und ergeben eine schaumige Masse mit der man sich den Körper und Kleidung waschen kann. Gegen die Moskitos steht direkt die nächste Pflanze parat. Auch hier werden die Blätter wieder zwischen den Händen verrieben, bevor der austrende Saft auf die Haut aufgetragen wird. Danach starten wir mit einem leichten Grünstich auf der Haut und ausgestattet mit Stöcken in den Dschungel. Wenn man in den Dschungel eintaucht sieht man nur noch grün und braun und riesige Pflanzen. Gefühlt jedes Blatt ist 3-10mal so groß wie in Deutschland. Während man von dem lauter Pfeifen der Frösche und Camäleons umhüllt wird, hofft man nur, dass sich keins der stacheligen Palmblätter löst und auf einen fällt. Die am Boden herumliegenden Exemplare zeigen, dass das durchaus möglich ist.

Wir folgen unseren Guide etwas stoplernd wieter in den Dschungel. Wenn es so viel um einen herum zu Gucken gibt, vergisst man schon mal auf den Weg zu achten. Dort die nächste riesige Pflanze, gefolgt von einer armdicken Liane und ganz oben in den Baumwipfeln lassen sich ab und zu ein paar schüchterne Affen entdecken. Kein Wunder, dass wir an der ersten Sehenswürdigkeit die direkt vor uns liegt fast vorbei laufen.

Zum Glück haben wir einen aufmerksamen Guide. Geschickt fischt er das kleine Chamäleon mit Hilfe von zwei Palmblättern vom Baum, so dass wir es aus nächster Nähe bestaunen können.



Rafflesia: Über kleine Flüsse führt den Weg weiter bergauf zur Rafflesia-Blume. Etwa 20cm große Blüten hängen in 1-3m Höhe an einer Schmarotzer-Liane, die sich um einen stabilen Baum windet.


Weiter gehts…

Noch mehr Rafflesia…

Und noch mehr Chamäleons…



Während unserer Tour fängt es an zu regnen. Die Bäume sind hier so hoch, dass wir den Wassertropfen, die es durch das Blätterdach schaffen, beim Fallen zusehen können.

Abends am Strand erwartet uns noch eine weitere wundervolle Entdeckung. Über den schwarz-mellierten Sand krabbelt ein Einsiedlerkrebs, der sich mit der Wahl seiner Muschel perfekt an die Umgebung angepasst hat.




Abgerundet wird dieser tierreiche Tag durch unsere neue Bungalow-Katze. Sie scheint sich so wohl bei uns zu fühlen, dass sie für die Kamera auf dem Balkongeländer modelt.

