
Sa Pa:
Dorf in den Reisbergen Vietnams, nicht weit entfernt vom höchsten Berg Vietnams (Phan Xi Pang 3143m).
Hier leben verschiedenen ethnische Minderheiten wie die H’Mong.
Der Nachtbus: Pünktlich zur Abfahrtszeit unserer Tour treffen wir an der Rezeption unseres Hostels in Hanoi ein. Wir warten 10, 15, 20min und nichts passiert. Da das hier schon mal vorkommen kann bleiben wir ganz entspannt und denken uns nichts dabei. Nach 30min fragen wir doch noch mal an der Rezeption nach – wir sollen weiter hier warten. 45min später nimmt einer der Rezeptionisten aufgeregt einen Anruf entgegen und blickt während des Telefonats mehrmals zu uns herüber … mhmm… das ist jetzt schon etwas verdächtig… als ob etwas zu richtig schief läuft…
Ein paar Minuten später bestätigt sich unsere Vermutung: der Rezeptionist kommt auf uns zu und erklärt, dass unser Transfer vom Hostel zum Nachtbus ist ins Wasser gefallen ist, weil der Fahrer erkrankt ist. Und dann geht alles ganz schnell: unter den 3 Rezeptionisten bricht Hektik aus und wir stolpern ihnen mit unserem Gepäck hinterher nach draußen. Neben uns nimmt noch eine Alleinreisende an der Tour teil. Wir sind also ein sehr überschaubare Gruppe – zum Glück, ansonsten würde der Notfallplan der Rezeptionisten nicht aufgehen. Der Notfallplan bedeutet puren Adrenalin-Kick, denn jeder Rezeptionist nimmt eine von uns hinter auf dem Mofa mit. Kaum sitze ich geht es los: Straßenverkehr in Hanoi auf einem anderen Level. Die erste Minute bin ich einfach nur mit Gleichgewicht halten beschäftigt und klammere mich an die Griffe hinter mir. Langsam kann ich mich etwas entspannen, doch dann rauschen wir schon hupend über die nächste Kreuzung, fändeln uns zwischen Autos hindurch, weichen anderen Verkehrsteilnehmern aus, nehmen hupend die nächste Kurve, bremsen, beschleunigen und dann will mein Fahrer auch noch Smalltalk machen. Wie schnell wir sind? Keine Ahnung! Bei einem Blick über die Schulter meines Fahrers auf die Tempoanzeige des Rollers, kann ich mich nur davon überzeugen, was hier alles nicht funktioniert. Mit wackeligen Beinen klettere ich irgendwann später vor dem Nachtbus vom Mofa.
Eine kurze Nacht später werden wir gegen 5:30 Uhr aus unseren Betten geworfen. Tatsächlich hat der Nachtbus keine richtigen Betten sondern nur sehr breite Sessel deren Rückenlehne komplett in die Horizontale abgesenkt werden können. Davon gibt es zwei Reihen mit jeweils zwei Stockwerken. Jedes dieser Betten liegt in einer Kabine mit Vorhang und einem länglichen Fenster zur Straße hin – irgendwie schon ganz schön edel. Wirklich edel ist aber die Sauberkeit, denn kein Schuh trägt Dreck in diesen Bus. Beim Einsteigen muss man die Schuhe ausziehen und in Plastikbeuteln verstauen. Dementsprechend langsam geht das Aussteigen voran, weil jeder auf der letzten Stufe auf einem Bein balancierend versucht, noch müde vom Schlafen, seine Schuhe wieder anzuziehen.
Der Norden: Bereits beim Aussteigen fällt uns die frische Luft auf – einfach so viel besser als in Hanoi. Der Fahrtstil ändert sich aber nicht: in einem Affentempo – ohne Anschnallgurte und unter Hupen natürlich – geht es den Berg weiter hoch zu unserem Hostel. Im Hostel wartet dann die nächste Überraschung auf uns, denn niemand weiß von uns und unserer Tour. Erst nach 10min scheint sich alles zu klären und wir bekommen Frühstückscoupons. Da mich die Erkältung ziemlich zermatscht hat, verbringe ich die Zeit vor und nach dem Frühstück schlafend auf dem Sofa. Erst gegen halb 10 Uhr werden wir von unserer Führerin für die nächsten 2 Tage eingesammelt. Sie gehört zu den H’Mong und trägt neben dem wunderschönen bunten Kopftuch, typisch traditionelle Kleidung zu ihren Gummistiefeln. Auf dem Weg zum Einstieg in die Reisberge sammeln wir neben anderen Hostelleuten noch weitere H’Mong Frauen ein. Sie gehen mir kaum bis zur Schultern und sind generell sehr süß mit ihren Fragen: „Where are you from? Whats your name?“ Bis auf zwei und unsere Führerin können sie nicht mehr Englisch, deshalb wiederholen wir in den nächsten Stunden noch sehr oft woher wir kommen und wie wir heißen.


Die Reisberge: Dann geht es endlich los! Die geometrisch perfekt terassierten Reisberge liegen vor uns. Immer wieder taucht ein neuer Einblick in die Berglandschaft aus den Nebelschwaden auf.

Am Anfang können wir noch ganz in Ruhe die Landschaft betrachten, aber schnell wird aus dem Weg ein matschiger Trampelpfad und wir brauchen oft unsere ganze Konzentration, um nicht im knöchelhohen Schlamm auszurutschen. An besonders schwierigen Stellen nehmen uns die H’Mong-Frauen an der Hand und ziehen uns mit einer Kraft, die man ihnen gar nicht zutraut über Flüsse, die Berge hoch und leider auch durch den tiefsten Schlamm hindurch. Nach einer Weile haben wir aber den Bogen raus und nehmen lieber selbstständig den Weg durch den Schlamm, vor allem, weil man an der Hand der H’Mong immer mittendurch die Matschparty muss während sie den guten Teil des Weges nehmen. Unser Weg führt uns entlang von Berghütten mit vielen Welpen und Kätzchen, die die vereinzelten Sonnenstrahlen genießen, vorbei an „Berg“-Schweinen, nah an die Wasserbüffel, die sich rutschend einen Weg den Hang hinauf bahnen und immer wieder kreuz eine laut piepende Meute an Küken unseren Pfad. Nebenher beschenken uns die H’Mong Frauen mit Herzen und Tieren, die sie während dem Laufen aus den Gräsern basteln.
Bei unserem ersten großen Stop wird uns klar warum die H’Mong Frauen so nett und hilfbereit sind: Sie wollen ihre selbstgefertigen Sachen (Armreife, Ohrringe, Kopftücher, Wandschmuck, Taschen, …) verkaufen. Und wie sie verkaufen… Wir haben keine Ruhe mehr und werden selbst später am Esstisch noch furchtbar bedrängt. Unter Ihnen immer wieder traurig dreinblickende Kinder, die mitleidserregend vor dir stehen und jammern „buy from me, please, buy, buy from me, please, please buy“. In jeden weiteren Dorf, das wir durchqueren werden wir mehrere Minuten von Verkäuferinnen belästigt. Selbst als wir in unseren etwas versteckten Homestay ankommen lässt die Meute nicht lange auf sich warten. Nach etwa 10min sehen sie dann ein, dass wir nichts kaufen. Ab da können wir in unserer kleinen Fünfer-Truppe, die in den Bergen übernachten wird, auf dem Balkon unserer Unterkunft ein wohlverdientes Nickerchen in der Abendsonne machen. Währenddessen zaubert unsere Gastmutter die besten Frühlingsrollen, die ich je gegessen habe. Am kleinen Lagerfeuer sitzen wir noch etwas zusammen, bevor wir gegen 20 Uhr alle totmüde in unsere Betten kriechen, um so auch der immer kälter werdenden Bergluft zu entkommen. Was für ein schöner Tag 🙂


