TAG 1
Kurzes Resume des Anreisetags: Deutsche Bahn lässt grüßen. Die Weichenreparatur am Stuttgarter Hbf zwingt uns auf Umwege. Nach einem mehrmaligen Gleiswechsel in Esslingen stand fest, dass wir den Regionalzug nach Ulm nehmen, um dort unseren ursprünglichen ICE einzuholen. Auch wenn wir ohne WLAN für eine Stunde in der Dümpelbahn festsaßen, war es die richtige Entscheidung. Gerade so pünktlich – eine halbe Stunde vor dem Abendessen – haben wir es bei schweißtreibenden 29°C in der Jugendherberge in Berchtesgaden geschafft.
Berchtesgaden – Kärlinger Haus
13km, ↑ 1050m, ↓ 50m, 4h
Sehr motiviert stehen wir um 7 Uhr bereit, um uns das Jugendherbergsfrühstück zu gönnen. Als wir etwas zu engagiert um die Ecke biegen, stoßen wir fast mit der Schlange am Buffet zusammen. Die armen Schüler wurden wohl auch früh aus dem Bett geschmissen.
Auf dem Weg zu unserem Ausgangspunkt für den ersten Wandertag steht erstmal Sightseeing mit dem Bahnbus an. Durch die idyllische Voralpenlandschaft vorbei an malerischen Kühen auf der Weide, durch den alterwürdigen Ortskern und enge Straßen. 1h später erreichen wir dann die einzige Station, die auch auf Englisch durchgesagt wird: den Königssee.

11,30€ pro Person ärmer begeben wir uns auf die kleinen Holzkähne, die fortschrittlich mit Elektroantrieb, über den See gleiten. Wussten Sie, dass der Königssee der zweittiefste See Deutschlands ist? So ein bisschen Bildung am Rande hat ja noch nie geschadet.
So weitergehts: Nur für die Touris wird ein Trompetenspiel mittig auf dem See vor der Echowand insziniert. Und tatsächlich war ein ziemlich beeindruckendes Echo zu hören. Das war uns ganze 70ct wert – all unser Kleingeld geopfert und unsere Rücksäcke um bestimmt 70g erleichert. Bei 1100m Aufstieg – da zählt jedes Gramm und 500g Käse brauchen wir auf jeden Fall!

Direkt auf den ersten Metern lassen wir die Tourimassen hinter uns, während uns die Sonne noch einige Stunden folgt und brät. Serpentine für Serpentine arbeiten wir uns den Berg hinauf.

Die letzten Meter des ersten Aufstiegs bringen wir unter der strengen Beobachtung einer Gemse hinter uns.

Nur wenig später begegnen wir dem nächsten Alpenbewohner: ein Murmeltier springt fröhlich vor uns den Weg entlang. Als wir ihm zu nah auf die Pelle rücken, werden wir mit einem lauten Pfeifen zurück auf unsere Plätze verwiesen.
Auch im leichten Nieselregen bin ich immer wieder in Wiesen zu finden, um den optimalen Fotowinkel zu bekommen.



Nur das erste kümmerliche Schneefeld ist mir dann doch kein Foto wert. Zum Glück ist Verlass auf Josef, der fotografiert, wenn ich es nicht tue.
15min vor der Hütte wird es nochmal mies. Der angekündigte Regen kommt plötzlich auf einmal vom Himmel. Etwas triefend erreichen wir dann nach 4h Wanderung das Kärlinger Haus und begeben uns erstmal in den Trockenraum.

Damit die Kamera mit 1,5kg nicht umsonst mitgeschleppt wurde, geht es beim ersten Sonnenschein nach dem Regen noch eine kleine Runde an den Funtensee. Blümchen, Schmetterlinge und lockere Schäfchenwolken am Himmel – die Bergidylle zeigt sich in vollen Zügen.



Als kleine Belohnung für den ersten geschaften Wandertag lassen wir gleich mal einiges von unserem Bargeld für einen sehr teuren aber immerhin auch sehr leckeren Kaiserschmarrn liegen. Nach dem Einchecken in kleine aber gemütliche Viererzimmer einigen wir uns auf das billige sättigende DAV-Essen zum Abendessen. Der Teller mit der großen Portion Linsen wird mit dem beiliegenden Brot noch fein säuberlich ausgekrazt bevor wir uns zum wohlverdienten Entspannen in die Liegestühle auf der Holzterasse begeben. Dies und das gibt es ja immer zu bequatschen und viel zu schnell ist es dunkel. Zeit für uns ins Bett zu gehen.