Wie an so vielen Reisetage heißt es auch heute: früh aufstehen. Um 6 Uhr klingelt der Wecker und um halb 7 sieben sitzen wir schon am Frühstückstisch. Fast hätten wir das typische Touristenfrühstück bestehend aus Toast, Margarine, sehr süßer Marmelade und Rühreier vermisst. Aber man muss unserer Unterkunft wirklich hoch anrechnen, dass das alles durch einen Obstteller für jeden und Vollkorntoast statt sehr süßen Weißtoast extrem aufgewertet wird. Das Taxi von unserem benachbarten Reisebüro wird dann überraschenderweise vom Inhaber selbst gefahren. 2 Stunden später weißt er uns noch im Auto darauf hin, dass es am Fähranleger sehr viele Trickbetrüger gibt. Er würde uns nicht empfehlen von ihnen ein Ticket zu kaufen aber die Entscheidung wäre uns überlassen. Noch bevor wir anhalten, wird unser Auto von einigen sehr motivierten Verkäufern begleitet. wir sind einfach nur froh, dass wir unsere Rucksäcke gut an uns festschnallen können und niemand einfach so mit unserem Gepäck davonlaufen kann, um davor nachher Geld zu verlangen. Wacker schlagen wir uns durch die Armee an Verkäufern. Niemand interessiert es, dass wir betonen, nicht mit dem Schnellboot sondern mit der normalen Fähre fahren zu wollen. Zum Glück sind wir mittlerweile doch schon ein bisschen erfahren und schaffen es einigermaßen gut zum offiziellen Fährgebäude – oder zumindest zu dem, was danach aussieht. An einem offiziell-aussehenden Schalter, besetzt von einer Frau in Uniform, bekommen wir aber die Information, dass es hier keine Tickets gibt, sondern irgendwo da draußen. Zumindest zeigt sie uns mit ihrem arm die ungefähre Richtung. Tja so einfach war es dann wohl nicht. Also wieder raus in die Schusslinie der Verkäufer. Zielstrebig steuern wir scheinbar selbstbewusst ein etwas heruntergekommenes Gebäude in der gezeigten Richtung an. Als wir um eine Ecke biegen, sehen wir wie sich eine Menschentraube vor einem kleinen Gebäude gegen eine Wand drängt. das könnte dann wohl unser Ticketschalter sein, preise oder weitere Infos gibt es nicht. Ebenso wenig wie eine geordnete Schlange. Also: auf ins Getümmel. Ein paar Bewertungen aus dem Internet hatten uns vorgewarnt: 1h Wartezeit mindestens. und ja fast eine Stunde stehen wir in den Getümmel sehr aktiv an bevor wir durch ein Miniloch in der sehr dreckigen Scheibe an unsere Fährtickets kommen. Umgerechnet etwa 4€ für jeden für 4,5h Fährfahrt.

Da die Fähre erst in einer Stunde ablegen soll machen wir uns auf den Weg zum Fährhaus. Noch einmal zur Frau in Uniform, die dieses Mal unser Ticket entgehen nimmt und wir können durch die nicht mehr funktionsfähigen Drehkreuze Richtung Steg zum Schiff laufen. Der Weg ist gesäumt von Snack und Obstverkäufern. Fast jede freie Stelle am Rand des Weges wird von Familien oder rauchenden Männern besetzt. Zum Ende des Ramadans reisen auch sehr viele einheimische.

Wider Erwarten können wir direkt bis auf das Schiff durchlaufen, wo wir noch einen Platz auf dem obersten Deck finden. Die erste und zweite Klasse mit den gepolsterten sitzen und bänken war schon voll, also müssen wir mit blanken Metallstühlen vorlieb nehmen. Immerhin haben wir eine Reihe für uns. Genau wie die Zeit bis zum Ablegen, zieht sich dann auch die Überfahrt zur Nachbarinsel Lombok. Umgeben vom Lärm der Mitreisenden, dem Dröhnen des Motors, in einer Hitze ohne Luftzug und sehr vielen Rauchern verbringen wir die nächsten Stunden an Bord.

Die Highlights der Überfahrt sind eine Instant-Nudelsuppe und Schokokekse. Zur 4,5h langen überfahrt kommt noch ein kleiner Stau vor der Einfahrt in den Hafen. Insgesamt 6 Stunden später legen wir dann endlich an. Anlegen ist ja schön und gut, aber wir kommen wir hier wieder runter? Trick 5000: einfach den Menschenströmen folgen ist nicht so erfolgreich wie erwartet, denn wir landen wenig später zwischen den LKWs, Bussen, Mofas und Autos im Bauch des Schiffes. Dort heißt es dann irgendwie durch die Zwischenräume nach vorne zur offenen klappe zu kommen. Letztendlich bleibt uns nichts anderes übrig als neben einem Laster voller gestresst piependen Küken stehen zu bleiben, weil die weiteren Zwischenräume Richtung Ausgang schon mit Menschen gefüllt sind. und dann heißt es warten. Die verladeklappe des Schiffs ist zwar offen aber nichts bewegt sich. Ich versuche dabei nicht dran zu denken, dass ich einigen der eng in Pappkartons zusammengepferchten Küken wahrscheinlich gerade beim Sterben zusehe. Als dann endlich etwas Bewegung in die Menge kommt trauen wir unseren Augen nicht, denn die Laster versuchen doch ernsthaft im Bauch des Schiffes zu wenden… Tjaa so ist das wohl wenn nicht so geregelt wie in Deutschland (oder gefühlt allen anderen Länder) geordnet in eine Richtung eingepackt wird. Irgendwie zwischen all den wendenden Lastern und knatternden Motorbikes schaffen wir es auch unversehrt nach draußen.

Der Fahrer unserer Unterkunft empfängt uns dort mit einem Schild und schüttelt uns die hand. Scheinbar ist hier ein starker Händedruck nicht üblich, wie anisa mir im nachhinein erklärt und ich höre ein knacken als ich ihm die hand schüttele. Hoffentlich habe ich nicht gerade unserem fahrer die hand gebrochen.

Kaum haben wir den engen Steg des Anlegers verlassen stürzen sich die Taxifahrer auf uns, zum Glück weist sie unser Fahrer direkt zurück und muss dann über unser erleichtertes Ausatmen lachen.

Der Humor unseres Fahrers zeigt sich auch auf der Fahrt immer wieder deutlich. Meine Lieblingsaussage, während er aus dem Fenster zeigt: das ein chinesischer Friedhof. nur Check-In kein Check-Out. Unser darauffolgendes Lachen quittiert er mit einem zufriedenen Lächeln. Ein kurzer Stopp beim Supermarkt und etwa 1,5h später sind wir da. Direkt beim Aussteigen werden wir von dem österreichischen Inhaber auf Deutsch begrüßt. Unser Apartment ist perfekt für die nächsten 10 Tage, die hier auf uns warten zwei großzügig Schlafzimmer, Große Küche mit Wohnzimmer, Terrasse und kleinem Gartenbereich.

Zum Abendessen gibt es die Kässpätzle von der sehr deutschgeprägten Karte.

Nach oben scrollen